Vortrag: »Wenn es das Schlaraffenland wirklich gäbe, es wäre unser Volk nicht glücklich darin.« – Anmerkungen zur „deutschen Arbeit“

Wann: Montag,  14. September, 19:00 Uhr 
Wo: Remise – Madgalenenstraße 19 

Im Vortrag wird die Geschichte des ideologems „deutsche Arbeit“ nachgezeichnet, demzufolge die Deutschen eine besondere, vorbildliche Beziehung zur Arbeit haben – was sie vermeintlich von vor allem jüdischen Menschen unterscheidet: Antisemitismus und Arbeitsmoral greifen also ineinander über. Die Nationalsozialisten übersetzten diese Vorstellung in die Verachtung, Verfolgung und Vernichtung arbeitsloser und armer Menschen. 

Doch was blieb von den alten Deutungsmustern erhalten? Heute diskutieren wir erneut über „Leistungsbereitschaft“, „Arbeitsunwillige“ und angeblich „faule Arbeitslose“. Sozialchauvinistische Forderungen, wie es soll nur essen, wer arbeitet, oder dass die Deutschen „wieder mehr arbeiten“ müssten, knüpfen dabei an eine lange Geschichte der Moralisierung von Arbeit an. Der Vortrag fragt deshalb nach den ideologischen Linien. Er nimmt die Verachtung von Faulheit, Arbeitslosigkeit und Müßiggang als roten Faden, um die deutsche Arbeitsideologie historisch zu rekonstruieren und ihre Wirkung in der Gegenwart zu analysieren.

Nikolas Lelle arbeitet seit 2020 bei der Amadeu Antonio Stiftung und beschäftigt sich vornehmlich mit Antisemitismus, der Erinnerung an den Nationalsozialismus und „deutscher Arbeit“. Zuvor promovierte er – nach einem Studium der Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main und Mainz – an der Humboldt Universität zu Berlin in der Sozialphilosophie. 

Eine Veranstaltung der Gedenkinitiative Eugeniu Botnari in Kooperation mit der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke.