Podiumsgespräch: „Mehr Fragen als Antworten – Gedenken an Todesopfer sozialdarwinistischer Gewalt“

mit den Gedenkinitiativen für Günter Schwannecke, Emil Wendland und Kurt Schneider sowie der Rechtsextremismusforscherin Viktoria Kamuf

Wann: Montag, 5. Oktober 2026 – 19:00 Uhr
Wo: Türrschmidtstr. 1 (S Rummelsburg bzw. 10 Min. zu Fuß vom S Ostkreuz)

Gerade bei Todesopfern sozialdarwinistischer Gewalt stehen Gedenkinitiativen vor großen Herausforderungen: Oft ist nur wenig über ihre Lebensgeschichten bekannt – manchmal noch nicht einmal der Name. Nur selten besteht Kontakt zu Angehörigen und Weggefährt*innen. Und während an manchen Orten jährlich an die Ermordeten erinnert wird, stellen andere Gedenkinitiativen ihre Aktivität nach einiger Zeit wieder ein.

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Gespräch: „Ignoranz, Gewalt und fehlende Solidarität – Perspektiven wohnungsloser Menschen“ 

mit Janina (Wohnungslosen_Stiftung) und Bülent (strassenfegerMAG)

Wann: 22. September 2026 – 18 Uhr Küfa, 19 Uhr Veranstaltungsbeginn
Wo: Maggie – ein Raum für deine Ideen – Frankfurter Allee 205 (U Magdalenenstraße)

Wohnungs- und obdachlose Menschen sind beinahe täglich Erniedrigungen und Gewalt ausgesetzt: Diese Gewalt beginnt oft mit der Zwangsräumung und setzt sich teils in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe fort. Im öffentlichen Raum sind obdachlose Menschen weitgehend schutzlos exponiert: Hier reicht die Gewalt von Beleidigungen und dem Umtreten des Kaffeebechers über Tritte vors Schienbein, Vandalismus, Brandstiftung bis zu schwerer und teils tödlicher Gewalt. Ein Todesopfer sozialdarwinistischer Gewalt ist Eugeniu Botnari, der vor genau zehn Jahren in Lichtenberg getötet wurde.

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Aufruf: 10 Jahre nach dem Mord an Eugeniu Botnari – Erinnern heißt Kämpfen!

Antifaschistische Demonstration und stilles Gedenken – gegen Sozialdarwinismus und Rassismus

Demo: 17.9.2026 – 17.30 Uhr – U Lichtenberg (Ausgang Siegfriedstraße)
Gedenken: 20.09.2026 – 14.00 Uhr – Eugeniu-Botnari-Platz (S-Lichtenberg)

Eugeniu Botnari: ein Todesopfer rechter Gewalt
Vor zehn Jahren starb Eugeniu Botnari. Er wurde aus sozialdarwinistischen und rassistischen Motiven getötet.
Eugeniu Botnari war 2015 aus Moldawien nach Deutschland gekommen. In Berlin verfügte er über keinen festen Wohnsitz und kam des Öfteren bei Freundinnen und Verwandten unter. Seine Ehefrau blieb in Moldawien. Am 17. September 2016 bezichtigte der Leiter der Edeka-Filiale im Bahnhof Lichtenberg ihn zunächst des Diebstahls und fügte ihm schließlich im Getränkelager des Supermarktes mit Quarzhandschuhen so schwere Verletzungen zu, dass Eugeniu Botnari eine Hirnblutung erlitt. Während sich der Täter mit Videoaufnahmen der Misshandlung vor seinen Mitarbeiterinnen brüstete, ging Eugeniu Botnari zunächst aus Angst vor den Behandlungskosten nicht zum Arzt. Drei Tage später, am 20. September 2016, verstarb er an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas.

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Vortrag: »Wenn es das Schlaraffenland wirklich gäbe, es wäre unser Volk nicht glücklich darin.« – Anmerkungen zur „deutschen Arbeit“

Wann: Montag,  14. September, 19:00 Uhr 
Wo: Remise – Madgalenenstraße 19 

Im Vortrag wird die Geschichte des ideologems „deutsche Arbeit“ nachgezeichnet, demzufolge die Deutschen eine besondere, vorbildliche Beziehung zur Arbeit haben – was sie vermeintlich von vor allem jüdischen Menschen unterscheidet: Antisemitismus und Arbeitsmoral greifen also ineinander über. Die Nationalsozialisten übersetzten diese Vorstellung in die Verachtung, Verfolgung und Vernichtung arbeitsloser und armer Menschen. 

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AVL-Tresen – Vortrag: Sozialdarwinistische Zustände – Tödliche Gewalt gegen obdachlose Menschen

Allein im Jahr 2024 starben in Deutschland mindestens 20 wohnungs- bzw. obdachlose Menschen durch Gewalt. Doch obwohl in zahlreichen Fällen die rechten Tatmotivationen auf der Hand liegen, bleiben eine politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Taten und ein Erinnern an die Opfer meist aus. Die Marginalisierung, die wohnungslose Menschen in allen Lebensbereichen erfahren, setzt sich auch nach ihrem Tod fort.

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Bezirksamt Lichtenberg weiht Eugeniu-Botnari-Platz ein – jahrelange Kämpfe der Zivilgesellschaft zahlen sich endlich aus

Pressemitteilung vom 12.5.2025

Die Gedenkinitiative „Aktives Gedenken in Lichtenberg“ freut sich, dass am 19. Mai. 2025, nach jahrelangen Kämpfen, der Eugeniu-Botnari-Platz endlich offiziell eingeweiht wird. Dem voraus gingen viele Diskussionen mit dem Bezirksamt und der BVV, um diese Umbenennung zu erreichen.

Eugeniu Botnari kam im Jahre 2015 aus Moldawien nach Berlin, um sich hier ein besseres Leben aufzubauen. Am 17. September 2016 wurde er vom damaligen Filialleiter des Edeka-Marktes im Bahnhof Lichtenberg des Diebstahls bezichtigt und daraufhin im hinteren Teil des Ladens von ihm mit Quarzsandhandschuhen zusammengeschlagen. Da Eugeniu Botnari zum damaligen Zeitpunkt nicht krankenversichert war, schlug er auch auf mehrmaligen Rat von Angehörigen und Freund*innen eine ärztliche Behandlung zunächst aus. Als er sich in den nächsten Tagen dann doch an die Rettungsstelle des Sana-Klinikums wandte, wurde er von dort aufgrund seiner schwerwiegenden Verletzungen sofort an das Unfallkrankenhaus Berlin überwiesen, wo am 20. September 2016 schließlich seinen Verletzungen erlag.

Dieser Fall ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie tödlich rassistische und sozialchauvinistische Abwertungen und Ausschlüsse sein können. Aus diesem Grund erinnert seit 2019 regelmäßig eine Gedenkinitiative an ihn und kämpft dafür, seinem Gedenken einen Platz im öffentlichen Raum zu schaffen. Eine Forderung dieser Gedenkinitiative ist dabei die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes nach Eugeniu Botnari. Diese Forderung wurde 2020 erstmals öffentlich vorgetragen und 2021 von mehreren Parteien aufgegriffen und in Aussicht gestellt.

Dass es nun dennoch noch fast 4 weitere Jahre gedauert hat, bis die Umbenennung endlich vollzogen und eine Gedenktafel im Gedenken an Eugeniu Botnari aufgestellt wurde, ist ein Zeichen dafür, wie wenig sozialchauvinistische Gewalt in Lichtenberg und in unserer Gesellschaft generell benannt und diskutiert wird. Konnte zum Beginn des Ukrainekriegs ein Platz in Karlshorst innerhalb weniger Monate in „Odessaplatz“ umbenannt werden, wurde die Gedenkinitiative mit ihrem Anliegen immer wieder zwischen verschiedenen Kommissionen und Ämtern hin- und hergeschickt, wo die Umbenennung angeblich gerade diskutiert werden würde.

„Wir sind sehr erfreut darüber, dass die Umbenennung des Platzes nun endlich vollzogen wird und Eugeniu Botnaris Andenken mit einer Steele bereits im Stadtbild verankert wurde. Wir hoffen, dass dieses Andenken den Verantwortlichen im Bezirk auch in Zukunft präsent ist und den Umgang mit Obdach- und Wohnungslosigkeit in unserem Kiez beeinflusst.“

meint dazu Berit von der Gedenkinitiative.

Während der Diskussionen um die Umbenennung des Platzes meldeten sich immer wieder Politiker*innen der FDP und AfD sowie andere Einwohner*innen aus Lichtenberg mit entwürdigenden Beiträgen im Tenor von „Warum sollten wir den Platz nach Eugeniu Botnari benennen? Das war doch nur irgendein Obdachloser?“ bis hin zu „Eugeniu Botnari war ein Ladendieb und hat bekommen was er verdient hat“. Auch wenn von einer neoliberalen und rassistischen Partei nichts anderes zu erwarten war, waren wir doch erschrocken darüber, wie wenig Achtung manche Politiker*innen und Lichtenberger Bürger*innen vor dem menschlichen Leben haben. Berit dazu:

„Sozialchauvinistische Abwertung ist tief in unserer neoliberalen und kapitalistischen Gesellschaft verankert! Während die Gehälter von Managern und Aufsichtsräten immer weiter steigen und die Reichen immer reicher werden, wird sozialen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Sucht und Wohnungsnot mit Verdrängung und Gewalt begegnet. Dies ist menschenverachtend und nimmt den Tod betroffener Menschen wissentlich in Kauf.“

Lichtenberger Antifa-Tresen im Juni

Sharepic zur Veranstaltung. Im Hintergrund ist eine Collage aus 3 verschiedenen Zeichnungen, die Tatorte rechter Gewalt in Berlin darstellen. im Vordergrund steht: "Vortrag: Gedenkarbeit für Opfer rechter Gewalt (Berlin & Brandenburg). 26. Juni 19:00 Uhr. Antifa-Tresen: Jeden 4. Montag des Monats. Magdalenenstr. 19 (barrierefrei). lbergvernetzung.blackblogs.org". Dazu das Logo der Antifaschistischen Vernetzung Lichtenberg.

26.06.2023 – 19 Uhr – Remise (Magdalenenstr. 19)

Bald ist wieder der 4. Montag im Monat und der AVL-Tresen findet statt. Dieses Mal möchten wir uns zum Thema Gedenkarbeit austauschen. Es werden die Ergebnisse einer Masterarbeit vorgestellt, in der Gedenkinitiativen für Todesopfer sozialdarwinistischer Gewalt interviewt wurden. Auch die Gedenkarbeit für Eugeniu Botnari und Kurt Schneider hier im Bezirk wurde beleuchtet. Lasst uns über die Erfahrungen der unterschiedlichen Initiativen ins Gespräch kommen!

Auf den Spuren der Roten Kapelle – Fahrradtour durch Neukölln und Kreuzberg

Die Nazis nannte sie die Rote Kapelle, das antifaschistische Netzwerk um den Ökonom Arvid Harnack und den Offizier Harro Schulze Boysen, das sich ab den 30ger Jahren in Berlin zusammenfand und erst im Herbst 1942 zerschlagen wurde. Die Aktionen waren vielfältig, von der Informationssammlung und Diskussion antifaschistischer Schriften und ihrer Verbreitung, über Zusammenarbeit mit der sowjetischen Botschaft, über Unterstützung ausländischer Zwangsarbeiter bis zum Verkleben antifaschistischer Aufkleber. Auffallend viele Frauen waren an allen Aktionen beteiligten. An die 100 Frauen und Männer wurden hingerichtet.
In Berlin gibt es viele Orte, die an sie und ihren Widerstand erinnern. Mit unserer Antifaschistischen Fahrradtour wollen wir einige dieser Orte in Neukölln und Kreuzberg besuchen, wo sie lebten und wo sie Widerstand leisteten.
Start ist am 30. Oktober um 14 Uhr in der Harzer Straße am Stolperstein für Friedrich Rehmer. Ziel sind die Folterkeller der Gestapo am jetzigen Gelände der Topografie des Terrors.

Kiezspaziergang Rote Kapelle

Vor 80 Jahren, im August 1942, startete die Verhaftungswelle gegen Antifaschist*innen, die von der Gestapo der sogenannten „Roten Kapelle“ zugeordnet wurden. 57 der Verhafteten, davon 19 Frauen, wurden daraufhin zum Tode verurteilt und hingerichtet, ohne Gerichtsurteil ermordet oder begingen in der Haft Selbstmord.

Der antifaschistische Widerstand in Lichtenberg wäre ohne den Einsatz zahlreicher Frauen unmöglich gewesen. Sie boten dem Faschismus mutig die Stirn. Oft werden sie beim Gedenken in den Hintergrund gedrängt. Gemeinsam mit der VVN/BdA Berlin wollen wir ihnen und ihren Taten gedenken.

Wir treffen uns dafür am 25.09. um 14:00 Uhr im Rote-Kapelle-Kiez, Startpunkt ist die Schulze-Boysen-Straße 12. Kommt zahlreich, bringt gerne Blumen und/oder Kerzen mit.

Erinnern heißt Kämpfen!

Kundgebung zum 6. Todestag Eugeniu Botnari

Wir erinnern an Eugeniu Botnari!
Kommt zur Gedenkkundgebung – am 20.9. ab 15 Uhr vor dem S-Bahnhof Lichtenberg.

Im Jahr 2016 wurde Botnari im EDEKA-Markt des Bahnhofs Lichtenberg vom damaligen Filialleiter so stark verletzt, dass er wenige Tage später starb. Vor Gericht wurden die rassistischen und sozialchauvinistischen Hintergründe der Tat deutlich. Dennoch ist Botnari bis heute nicht offiziell als Opfer rechter Gewalt anerkannt. Wir fordern ein würdiges Gedenken an Eugeniu Botnari! Seit zwei Jahren kämpfen wir dafür, dass der Vorplatz vom Bahnhof Lichtenberg nach Botnari benannt wird. Der Bezirk kann dies veranlassen, weigert sich aber bisher. Wir wollen nicht länger warten! Im nächsten Jahr soll zumindest die Lärmschutzwand des Bahnhofs mit einem Gedenkgraffiti an Botnari gestaltet werden. Zur Einstimmung veranstalten wir am 20.9. im Rahmen der Kundgebung einen Graffiti-Jam mit live HipHop-Acts.

Erinnern heißt kämpfen!

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